Die Geschichte der Großgemeinde Weinbach beginnt im Jahr 1970 als sich im Zuge der Kommunal- und Gebietsreform die damals selbständigen Gemeinden Weinbach, Blessenbach, Freienfels und Gräveneck zusammenschlossen. 1974 wurden auch die Gemeinden Elkerhausen und Edelsberg in die neue Gemeinde eingegliedert. Für die Zeit davor gelten alle heutigen Ortsteile als weitestgehend voneinander unabhängig und werden deswegen auch als solche behandelt. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir hier nur einen kurzen Abriss des geschichtlichen Geschehens aufzeigen können. Sollte Ihr Interesse geweckt sein, so können Sie näheres in der Chronik der Großgemeinde Weinbach erfahren, von deren Autor Wolfgang Wiedl größtenteils auch folgende Ausführungen stammen.
Weinbach
Als Wynbach wurde der Ort 1344 das erste Mal urkundlich erwähnt. Das aber
zweifelsohne ältere Weinbach gehörte wohl einst zum Zehnt Niederselters und
lag im Herrschaftsbereich der Grafen von Diez, deren Erbe als Landesherren hier
die Grafen von Nassau antraten.
Das Domstift Worms besaß in Weinbach den Kirchsatz und das Zehntrecht. Von
Worms gelangten die Adligen von Elkerhausen 1449 in den Besitz des
Patronatsrechtes und der Hälfte des Zehnten. Zwei ausdrucksvolle
Bildnisgrabsteine des Johann von Elkerhausen (1585) und seiner Frau Anna von
Diez (1584) erinnern an die bis 1718 bestehende Verbindung der Weinbacher
Pfarrei zu diesem Geschlecht. 1728 entstand dann die heutige Kirche, wobei der
frühgotische Chor des vorherigen Gebäudes weitestgehend in seinem
ursprünglichen Zustand belassen wurde.
Das Dorf war bis in die frühe Neuzeit mit Zäunen, Gräben und zwei Pforten
befestigt, wovon eine 1591 als Pfortenbau mit besonderen Privilegien
ausgestattet wurde und an die noch heute die Pfortengasse erinnert.
Eine Mühle zwischen Freienfels und Weinbach stand schon 1459. Der Weiher in der
Nähe wurde Mitte des 17. Jahrhunderts als herrschaftlicher Forellenweiher für
die nassau-weilburgische Hofhaltung angelegt. Eine zweite, heute nicht mehr
existierende Mühle wurde 1853 Richtung Aulenhausen erbaut.
Das Dorf blieb bis ins 20. Jahrhundert hinein landwirtschaftlich geprägt. Aber
auch Dachschieferbau, Manganerz und Eisenerzbergbau waren zusätzliche
Einnahmequellen der Bevölkerung.
1957 bis 1962 wurden die beiden Bäche Weinbach und Erlenbach innerorts verrohrt,
1963 ein Mittelpunktschwimmbad gebaut. Dieses ist heute solarbeheizt und hat den
Freizeitwert der Gemeinde erheblich gesteigert. Die 1975 eröffnete
Mittelpunktgrundschule trägt seit 1987 den Namen des berühmtesten Sohnes von
Weinbach, den 1812 hier geborenen Karl Schapper. Er spielte eine bedeutende
Rolle in der Frühzeit der deutschen und europäischen Arbeiter- und
Arbeiterbildungsbewegung.
Gräveneck
1395 errichtete Graf Philipp von Nassau im Bund mit anderen Herren gegen die
Ritter von Elkerhausen die Burg Gräveneck (bedeutete wohl "des Grafen
Eck" oder "der Grafen Eck"). Nach der Zerstörung der
gegenüberliegenden Burg Neuelkerhausen 1396 verlor sie ihre strategische
Bedeutung.
Erst im Anschluß an die Burg entstand das Dorf Gräveneck.
1429 gingen Burg und Dorf als nassauisches Lehen an den Hermann von Hohenweisel.
Ein Burglehen besaßen 1430 auch die von Wolfskehl mit dem sogenannten Kleinen
Hof.
1449 wurden die Brendel von Homburg mit Dorf und Burg belehnt. Nach dem
Aussterben dieses Zweigs 1633 war die Burg schon weitestgehend verfallen. Die
herrschaftlichen Besitzungen fielen an Nassau-Weilburg zurück. Es entstand nun
ein landesherrliches Hofgut, das von 1775 an den Mennoniten Peter Unzicker
verpachtet war und 1811 an ortsansässige Bauern ging.
Die evangelische Kirche entstand 1777 als Stiftung des Fürsten Karl von
Nassau-Weilburg.
Der schon 1353 erwähnte Schwartenberger Hof gehört ebenfalls zu Gräveneck und
wurde nach dem Aussterben der Brendel in Eigenverwaltung von Nassau-Weilburg
betrieben bis er Ende des 17. Jahrhunderts an Erbpächter ausgegeben wurde. Der
1691 in der Nähe entstandene Neuschwartenberger Hof wurde 1837 abgerissen. Für
die Höfe entstand 1699 eine Mahl- und Ölmühle, die heutige Zippsmühle. An
der Dembach wurde 1842 eine weitere Ölmühle errichtet. Eine schon 1449 in
Gräveneck stehende Mühle war bereits im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts
verfallen.
Im 19. Jahrhundert erlebte auch in Gräveneck der Bergbau einen Aufschwung, hier
vor allem durch die Gruben Georg-Joseph und Schottenbach, und veränderte die
vorher ausschließlich landschaftliche Struktur des Ortes.
Die Brücke über die Lahn wurde in den Jahren 1911 bis 1913 gebaut und 1912
erhielt Gräveneck einen Bahnhof an der schon 1863 eröffneten Lahntalbahn. Hier
entstand auch von 1921 – 1922 die 1941 zu einer imposanten Anlage umgebaute
Erzaufbereitung der Grube Georg-Joseph. Durch die vielen Heimatvertriebenen nach
dem 2. Weltkrieg wurde 1964 eine katholische Kirche errichtet.
Gräveneck liegt direkt an der Lahn und bietet mit einem Campingplatz gute
Möglichkeiten für den aufstrebenden Lahntourismus.
Freinfels
Die Geschichte Freienfels beginnt mit der 1327 erstmals erwähnten und
wahrscheinlich Ende des 13. Jahrhunderts von den Grafen von Weilnau (einer
Seitenlinie der Grafen von Diez) erbauten Burg Freienfels. Das in Spornlage auf
einem steilen Felsen über dem Weiltal liegende spätmittelalterliche
Befestigungswerk sollte zur Sicherung der an der unteren Weil bis Weilmünster
und Essershausen ausgreifenden Herrschaft der Grafen von Weilnau gegen Nassau
dienen. Doch schon 1331 befand sich die Burg in nassauischem Besitz. Ende des
14. Jahrhunderts verlor sie Ihre strategische Bedeutung. Erst im Anschluß an
die Burg entwickelte sich wohl das Dorf Freienfels. Zwar wurde als dessen
Vorläufer das schon im 8. Jahrhundert erwähnte Mainlinten betrachtet, ein
eindeutiger Zusammenhang ließ sich hier allerdings nicht nachweisen.
1466 belehnte Nassau die Herren von Schönborn mit Burg und Dorf. Diese
versuchten ausgangs des 16. Jahrhunderts vergeblich Freienfels aus der
nassauischen Territorialherrschaft herauszulösen. Durch die Wahl Johann
Philipps von Schönborn zum Erzbischof und Kurfürsten von Mainz verlagerte das
Geschlecht seinen Schwerpunkt nach Franken, und Lothar Franz von Schönborn
veräußerte das Lehen 1687 an den dänischen Obersten von Friesensee, von
dessen Witwe es 1724 an Nassau-Weilburg zurückfiel.
Aus dem Wirtschaftshof entstand nun ein landesherrliches Hofgut, das von 1775
bis 1786 der Mennonit Peter Schwarztraub in Pacht und das 1802 an ortsansässige
Bauern überging.
1605 gab es in Freienfels eine Eisenhütte, die aber bereits 1612 den Betrieb
wieder einstellte. Der Phosphoritbergbau erlebte in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts eine Blüte. 1891 erhielt Freienfels einen Bahnhof und wurde an die
mittlerweile stillgelegte Weiltalbahn angeschlossen.
Heute ist Freienfels durch seine jährlich stattfindenden Ritterspiele weit
über die Landesgrenze hinaus bekannt.
Blessenbach
Das sicherlich ältere Blessenbach wurde 1267 erstmals urkundlich erwähnt und
lag im Herrschaftsbereich der Grafen von Diez, deren Erbe die Herren von Runkel
antraten. Der Ort gehört zur Grundherrschaft des Klosters St. Maximin zu Trier
mit ihrem Mittelpunkt in Laubuseschbach. Bemerkenswerterweise war Laubuseschbach
aber Filiale der Kirche zu Blessenbach.
Als Vögte des Klosters besaßen die Herren von Molsberg die Grundherrschaft und
belehnten 1332 den Hiltwin von Elkerhausen mit dem Kirchsatz, Gericht, Höfen,
großen und kleinen Zehnten und dem Wald Laubus. Nach dem Niedergang der
Molsberger übernahmen die Erben des Hiltwin diese Besitzungen und Rechte als
kurtrierisches Lehen. Spätestens 1517 wurden dann die Herren von Schönborn
alleinige Besitzer. Diese veräußerten ausgangs des 17. Jahrhunderts ihre
Rechte an die dänische Familie von Friesensee, die diese wiederum 1709 an die
Grafen von Wied-Runkel abtraten.
Der zu Blessenbach gehörende 1334 erstmals erwähnte Hörderhof wurde von den
Grafen Wied-Runkel Anfang des 19. Jahrhunderts an die Mennonitenfamilien
Nafziger und Schwarztraub verpachtet, die bis um 1840 auf dem Hof blieben.
1806 kam Blessenbach zum Herzogtum Nassau und nach dessen Auflösung 1867 zum
preußischen Oberlahnkreis.
Schon 1502 war in Blessenbach Schieferbergbau, der sich vor allem im 19.
Jahrhundert zu einer wichtigen Erwerbsquelle entwickelte, bezeigt.
Zu Blessenbach gehört das schon 1325 als minore Wynbach erwähnte Kleinweinbach.
Schon 1495 war hier ein zunächst im runklischem Besitz befindliches Bergwerk in
Betrieb. Anfang des 18. Jahrhunderts entstand eine kleine
Schieferkäutnersiedlung. Eine um 1780 verfallenen Silberschmelze erlebte Mitte
des 18. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem kurzzeitigen Aufblühen der
Weilburger Münze einen gewissen Aufschwung.
Elkerhausen
Die frühe Geschichte des Ortes ist eng verbunden mit den 1191 erstmals
genannten Ortsadligen, die hier auf ihrem Eigengut 1278 eine Kirche erbauen
ließen.
Dorf und Gericht Elkerhausen waren Mittelpunkt der Grundherrschaft dieser
schließlich weit verzweigten Familie, die über das Dorf hinaus im Taunus,
Westerwald, in der Wetterau und bei Gießen begütert war. Die Ritter von
Elkerhausen, von denen auch einige sich als kampflustige Raubritter hervortaten,
gerieten in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in harten Gegensatz zu den
nach ungestörter Landesherrschaft drängenden Grafen von Nassau. Ihr Stammsitz,
die Wasserburg in Elkerhausen, wurde schon 1352 von Erzbischof Balduin von Trier
zerstört. Von der unmittelbar danach auf dem Boden der Grafen von Diez auf dem
Schwartenberg errichteten Burg Neuelkerhausen zerstörten die Ritter von
Elkerhausen die gegenüberliegende nassauische Gegenburg, die Steuerburg. Erst
nach der Erbauung der Burg Gräveneck gelang Graf Philipp von
Nassau-Saarbrücken 1396 die Zerstörung der Burg Neuelkerhausen. Die sich seit
1420 Klüppel von Elkerhausen nennenden Ritter, die schließlich der
Reichsritterschaft angehörten, begannen um 1500 mit der Erbauung eines neuen
festen burgartigen Hauses im Bereich ihres alten Stammsitzes, aus der sich die
heute wieder restaurierte Burg inmitten des Dorfes entwickelte.
Die Klüppel konnten schon seit dem beginnenden 16. Jahrhundert keine
nennenswerte Herrschaft mehr über das Dorf ausüben, auch wenn sie dies gegen
Nassau immer wieder zu behaupten versuchten. Georg Wilhelm Klüppel von
Elkerhausen, der bedeutendste Vertreter des Geschlechts in der Neuzeit und
überaus erfolgreiche Deutschordensritter, erlangte 1653 zwar nochmals die
juristische Anerkennung der Reichsunmittelbarkeit seiner Familie, aber die
nassauische Oberhoheit über Elkerhausen war nicht mehr zu verdrängen.
Der wohl letzte des Geschlechts Freiherr Franz Daniel von Elkerhausen,
veräußerte 1718 den grundherrlichen Besitz in und um Elkerhausen und die
verbliebenen Rechte an Nassau-Weilburg. Aus den Besitzungen entstand ein
landesherrliches Hofgut, das schon 1774 von ortsansässigen Bauern gepachtet
werden konnte. 1786 bis 1820 war in einem Teil der Burg eine Nadelfabrik
eingerichtet. Die Burg diente von 1840 an als Schule und später als Armenhaus.
Die zu Beginn des 17. Jahrhunderts von den Klüppeln errichtete zweite Kirche
wich 1911 einem Neubau.
Edelsberg
Wurde 1246 zum ersten Mal eher
zufällig als Estelingesberge urkundlich genannt. Durch den Fund eines bronzenen
Armreifs 1842 sowie eines bei Straßenbauarbeiten im Wald zwischen Kubach und
Edelsberg 1974 freigelegten Grabhügels mit mind. 11 Grabhügeln aus der
mittleren Bronzezeit (1500 bis 1400 v. Chr.) bestätigen aber eine sehr viel
frühere Bewohnung dieses Gebietes. Neben diversen anderen Grabbeigaben wie
Äxte, Dolche u. ä. wurden 2 Tonnenarmbänder aus der Hallstattzeit (800 –
400 v. Chr.) gefunden, was darauf schließen lässt, dass das Grabhügelfeld
auch in der Spätlatènezeit als Bestattungsort genutzt wurde.
In der vorreformatorischen Zeit bildete der Ort mit Laimbach einen zum Dekanat
des Weilburger St. Walpurgisstiftes gehörenden Pfarrbezirk. Daniel Greser, der
später als Superintendent und Hofprediger zu Dresden eine bedeutende Rolle in
der sächsischen Reformationsgeschichte spielte, betreute in den Anfängen der
nassau-weilburgischen Reformation 1526-1528 eine kleine Kapelle in Edelsberg.
Nach 1544 wurde Edelsberg als Filiale der Pfarrei Essershausen zugeteilt. Eine
1585 außerhalb des Dorfes Richtung Essershausen errichtete Kirche musste wegen
Baufälligkeit der heutigen, 1833 weitgehend fertiggestellten Kirche weichen.
Fürfurt
Das zu Elkerhausen gehörende Fürfurt wurde erstmals als Virdenwert in einer
zwischen 1148 und 1154 entstandenen Urkundenfälschung eines Diploms von Kaiser
Heinrich III. aus dem Jahr 1053 erwähnt. Die Fälschung schrieb dem Kloster St.
Matthias bei Trier auch den Zehnten zu Fürfurt zu, im Gegensatz zum Original,
in dem Fürfurt nicht erwähnt wurde.
Fürfurt entwickelte sich zunächst vor allem als ein zur Villmarer Pfarrei des
Klosters St. Matthias gehörender Hof.
Vor 1569 belehnte das Erzstift Trier die Brendel von Homburg mit dem Hof der
Villmarer Pfarrei, über den die Grafen von Wied-Runkel Hoheitsrechte
beanspruchten. Nach 1653 war der Hof den Klüppeln von Elkerhausen verliehen,
bis er 1704 wieder an das Trierer, Kloster ging.
Noch Anfang des 19. Jahrhunderts bestand Fürfurt nur aus 5 Höfen. Nach
Entdeckung des Phosphoritvorkommens im Lahngebiet wurde 1869 eine
Phosphoritmühle in Betrieb genommen, aus der die bis 1927 existierende
Chemische Fabrik Fürfurt hervorging. Den Anschluß an die Lahntalbahn erhielt
das Werk noch 1869. Die Haltestelle für den Personenverkehr wurde 1890
eingerichtet.
Fürfurt ist heute ein kleiner Ort mit ca. 152 Einwohnern, der sich nicht
zuletzt wegen seiner schönen Lage an der Lahn und einem Bootsverleih zu einem
beliebten Ausflugsziel entwickelt hat.